Krötenwanderung

Wissenswertes zur Wanderung der Erdkröte (Bufo Bufo)

Erdkrötenpaar bei Wanderung

Warum Kröten schützen?

Die Erdkröte (Bufo Bufo) ist die größte heimische Krötenart. Erwachsene Weibchen können eine Größe von bis zu 15 Zentimetern erreichen; damit sind sie deutlich größer als ihre bis zu acht Zentimter langen männlichen Artgenossen. Charakteristisch ist der plumpe, kräftige Körperbau, die warzige Oberseite und die grau-braune Rückenfärbung. Erdkröten können sehr alt werden: In Gefangenschaft wurde ein Tier 36 Jahre alt. Die nachtaktiven Kröten leben in Wäldern, an Ufern von Teichen und Flüssen, in Parks, Obstwiesen und Gärten. Tagsüber verstecken sie sich unter Steinhaufen, Brettern, Laub und in Hecken.

Die Erdkröte ist für eine intakte Natur enorm wichtig – als natürlicher Schädlingsbekämpfer vertilgt sie in Gärten riesige Mengen von Schnecken und deren Eiern, Asseln, Spinnen und Würmern. Auch Landwirtschaftsschädlinge wie Kartoffelkäfer, Rapsglanzkäfer und Raupen stehen auf dem Speiseplan der Erdkröte. Die „natürliche Schädlingsbekämpfung“ funktioniert aber nur, wenn die Kröten in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Die Tiere sind zwar wegen ihrer geringen Ansprüche an die Umwelt und ihrer hohen Anpassungsfähigkeit noch weit verbreitet, doch das dichte mitteleuropäische Straßennetz wird den Krötenpopulationen zunehmend zum Verhängnis: In der Paarungszeit (März/April) wandern die Erdkröten zu den Laichgewässern, wobei sie oft hunderte Meter – manchmal sogar mehrere Kilometer – zurücklegen. Viele Kröten, die bei ihren Wanderungen Straßen überqueren müssen, enden unter einem Autoreifen. Mancherorts hat der dichte Verkehr bereits zur Ausrottung ganzer Populationen geführt.

Was ist die Krötenwanderung?

Zur Paarungszeit (März/April) verlassen die Erdkröten die Winterquartiere und wandern zu den Laichgewässern. Dabei legen sie oft einige Kilometer zurück. Erdkröten sind laichplatztreu, das heißt, sie suchen das Gewässer auf, in dem sie geboren wurden. Die Wanderung beginnt, wenn es draußen wärmer wird; Temperaturen von mehr als zehn Grad und Feuchtigkeit beschleunigen die Wanderung. Auf dem Weg zum Laichplatz lassen sich die Männchen, die in viel höherer Zahl vorhanden sind, häufig von den Weibchen tragen. Auch am Laichplatz (ein stehendes Gewässer, etwa ein Teich oder Tümpel) gibt es viel mehr männliche als weibliche Kröten, daher werden die Weibchen oft von mehreren Männchen bedrängt. Nach einigen Tagen beginnt das Paar mit dem Ablaichen, dem Ablegen der Eier. Der Laich wird in Doppelsträngen um Wasserpflanzen gewickelt (die Laichschnur ist charakteristisch für Kröteneier; Frösche legen den Laich in Ballenform ab). Die mehrere Meter lange Laichschnur enthält etwa 2000 bis 5000 Eier. Die hohe Zahl soll den Kröten ihre Nachkommen sichern. Sobald der Laichvorgang beendet ist, trennen sich Männchen und Weibchen. Nach einer Woche schlüpfen aus den Eiern Junglarven, die nach 18 Tagen zu freischwimmenden Kaulquappen werden. Nach 60 bis 80 Tagen „verwandeln“ sich die Kaulquappen in winzig kleine Kröten, die das Wasser verlassen. Die zunächst nur acht bis 15 Millimeter großen Jungkröten suchen sich dann einen geschützten Platz am Land.

Wo sind Wanderungsgebiete in Wien?

Eine Übersicht der uns bekannten Krötenwanderstrecken finden Sie hier > Gebiete und Initiativen

Sollten Sie auch an anderen Stellen Wanderungsströme bemerken, bitte melden Sie diese an die MA 22 – Umwelt und geben Sie diese zusätzlich uns bekannt, damit wir unsere Übersicht aktuell halten können.

Was kann ich tun?

AUTOFAHRER

Autofahrer sollten zur Krötenwanderzeit (Frühling) auf entsprechende Hinweisschilder achten und Straßen, die durch die Wanderrouten der Tiere zu ihren Laichgewässern führen, möglichst meiden, vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und in den Nachtstunden. Die Kröten sind in der Dunkelheit schwer zu erkennen, sie können sich hüpfend oder auch kriechend fortbewegen. Durch vorsichtiges, sehr langsames Fahren (Schritttempo) kann jeder verhindern, dass die Tiere unter einem Autoreifen enden.

Wer helfen will, kann bei Krötensichtungen auf wenig befahrenen Straßen (zb. Steinböckengasse, 1140 Wien) kurz anhalten und das Tier an den Straßenrand setzen. Kröten sind nicht giftig, man kann sie auch mit der bloßen Hand oder mit einem Taschentuch angreifen. Beim Losfahren aus Wandergebieten empfiehlt sich eine Taschenlampe im Auto, um vor dem Start unters Auto zu leuchten – häufig bleiben Kröten während der Wanderung einfach sitzen.

HUNDEBESITZER

Hundebesitzer sollten während der Krötenwanderung in den betreffenden Gebieten bei Dämmerung und Dunkelheit möglichst nicht über Wiesen oder durch Wälder und Parks gehen. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, bitte den Hund an die Leine nehmen, damit er nicht auf Krötenjagd geht.  Mit Hilfe einer Taschenlampe sollte man sicherstellen, dass nicht auf Kröten gestiegen wird – die Tiere sitzen häufig im Gras oder auf Spazierwegen, um auszuruhen. Keinesfalls sollte man Hunde in Laichgewässern schwimmen lassen, weil dadurch der Laich zerstört wird.

FREIWILLIGE HELFER

Diverse Krötenschutz-Initiativen suchen noch freiwillige Helfer. Die Hilfsmaßnahmen sind von unterschiedlicher Art: In Wandergebieten, wo Krötenschutzzäune vorhanden sind, fallen die Tiere in Kübel, die dann von den Helfern geleert werden (z.B. am Exelberg, 1170 Wien). In Gebieten, wo es keine Schutzzäune gibt, gehen die Helfer ab dem Einsetzen der Abenddämmerung die Straße entlang, suchen nach Kröten und tragen diese über die Fahrbahn (z. B. in der Steinböckengasse, 1140 Wien > siehe Projekt Steinböckengasse). Ausgerüstet sind die Helfer mit Kübel, Taschenlampe, Gummihandschuhen und Warnweste. Der Kübel dient dazu, die Kröten sicher über die Straße zu bringen – sie springen einem leicht aus der Hand, und wenn viele Tiere unterwegs sind, muss der Helfer oft schnell reagieren und mehrere Kröten gleichzeitig transportieren können.

Wenn Sie helfen möchten, erfahren mehr unter > Helfer gesucht!

Wo erfahre ich mehr?

Stadt Wien MA 22 – Umwelt

Herpetofauna.at – ÖGH (Österr. Gesellschaft für Herpetologie)